Führen in Teilzeit – Geht das?

Führen in Teilzeit – Geht das?

In der modernen Arbeitswelt gewinnt Flexibilität zunehmend an Bedeutung. Dies spiegelt sich auch in der Diskussion über die Möglichkeit von Führungskräften in Teilzeit wider. Doch ist dies wirklich machbar?

Bevor wir tiefer eintauchen, ist es wichtig, einige Begriffe zu klären. Eine Führungskraft in Teilzeit ist eine Person, die ihre reguläre Arbeitszeit reduziert hat, um eine ausgewogene Work-Life-Balance zu erreichen oder anderen Verpflichtungen nachzugehen, ohne ihre Führungsposition aufzugeben. Diese Positionen können verschiedene Hierarchieebenen umfassen, von Teamleitern bis hin zu Vorstandsmitgliedern.

Dies setzt eine erhöhte Agilität in der Führung voraus. Dieses Konzept beschreibt die Fähigkeit von Führungskräften, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, innovative Lösungen zu entwickeln und effektiv in dynamischen und komplexen Arbeitsumgebungen zu operieren. Agile Führung ist sehr gut geeignet, um besser delegieren zu können und in Teilzeit zu arbeiten.

Hier sind wir bei einem anderen wichtigen Skill, dem Delegieren. Wer in Teilzeit arbeitet, muss in weniger Zeit effizienter sein. Um als Führungskraft zum Ziel zu kommen, müssen Teilzeit-Führungskräfte in der Lage sein, Aufgaben so zu verteilen, dass jeder und jede die Schritte gewissenhaft erfüllt. So lässt sich das Gesamtziel auch mit weniger direkter „Führungsarbeit“ erreichen.

Durch das Delegieren können Aufgaben besser verteilt werden und Führungskräfte in Teilzeit können dann ebenso gut erreicht werden wie Vollzeitkräfte. Darüber hinaus muss am traditionellen Bild gearbeitet werden. Möglich sind auch „Jobsharing“-Modelle, bei welchen sich 2 Führungskräfte eine Rolle teilen.

Ein weiterer äußerst wichtiger Aspekt ist die Vertrauensarbeitszeit. Unternehmen, die Vertrauensarbeitszeit praktizieren, legen den Fokus auf die Ergebnisse und Leistungen der Mitarbeiter anstatt auf die Anzahl der Stunden, die sie im Büro verbringen. Dies fördert eine Kultur des Vertrauens, der Eigenverantwortung und der Flexibilität. Mitarbeiter haben die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit so anzupassen, dass sie ihre persönlichen Verpflichtungen, wie Familie, Weiterbildung oder Ehrenamt, besser mit ihrem Berufsleben vereinbaren können.

Vertrauensarbeitszeit kann dazu beitragen, die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu steigern, da sie mehr Kontrolle über ihre Arbeitszeit haben und ihre Arbeit besser in ihr Leben integrieren können. Darüber hinaus kann dieses Modell dazu beitragen, die Produktivität und Effizienz zu steigern, da Mitarbeiter in der Lage sind, zu arbeiten, wenn sie am produktivsten sind, und sich nicht an festgelegte Arbeitszeiten halten müssen, solange die Arbeit fristgerecht und in hoher Qualität erledigt wird.

Akzeptanz für Führen in Teilzeit wäre da, aber...

Studien zeigen, dass Teilzeitarbeit in Führungspositionen zunehmend akzeptiert wird. Eine Studie von Deloitte ergab, dass flexible Arbeitsmodelle die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern und die Mitarbeiterbindung erhöhen können. Dies führt zu einer höheren Produktivität und Leistungsfähigkeit im Unternehmen.

Zudem zeigt sich ein Trend zur Diversität in Führungspositionen. Die Möglichkeit, Führungsaufgaben in Teilzeit zu übernehmen, ermöglicht es, Menschen mit unterschiedlichen Lebensumständen, Karriere und Familie erfolgreich zu vereinen. Dies trägt nicht nur zur Chancengleichheit bei, sondern bringt auch vielfältige Perspektiven und Erfahrungen in das Unternehmen ein.

Trotz dieser positiven Entwicklungen zögern viele Unternehmen immer noch, Führungskräfte in Teilzeit einzusetzen. Ein Grund hierfür ist das traditionelle Verständnis von Führung, das oft mit Präsenz und Verfügbarkeit gleichgesetzt wird. Des Weiteren besteht die Sorge, dass Teilzeitführungskräfte Schwierigkeiten haben könnten, ihre Teams effektiv zu führen und strategische Ziele zu erreichen. Kommunikation und Zusammenarbeit könnten beeinträchtigt werden, insbesondere wenn die Arbeitszeiten nicht mit denen der Teammitglieder übereinstimmen.

Was spricht dafür?

Dennoch gibt es für Führungskräfte in Teilzeit überzeugende Argumente. Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung kann dazu beitragen, talentierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Dies ist besonders relevant in Zeiten des Fachkräftemangels, in denen Unternehmen um qualifizierte Mitarbeiter konkurrieren.

Des Weiteren kann Teilzeitarbeit in Führungspositionen die Innovationskraft eines Unternehmens stärken. Mitarbeiter, die Zeit haben, außerhalb des Büros neue Impulse aufzunehmen, können frische Ideen und Perspektiven einbringen, die zur Weiterentwicklung des Unternehmens beitragen.

Teilzeitführungskräfte können oft agiler und anpassungsfähiger sein als ihre Vollzeitkollegen. Ihre Flexibilität ermöglicht es ihnen, schnell auf sich ändernde Anforderungen und Umstände zu reagieren, was in einer zunehmend volatilen und unsicheren Geschäftswelt von unschätzbarem Wert ist.

Was spricht dagegen?

Auf der anderen Seite müssen Herausforderungen und potenzielle Nachteile berücksichtigt werden. Teilzeit-Führungskräfte könnten Schwierigkeiten haben, eine ausgewogene Work-Life-Balance zu finden, insbesondere wenn der Druck und die Erwartungen an sie hoch sind. Dies könnte zu Stress und Burnout führen, was langfristig die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann.

Zudem könnten Unternehmen Bedenken hinsichtlich der Kontinuität und Stabilität haben, wenn Führungskräfte nur teilweise zur Verfügung stehen. Dies könnte die Umsetzung langfristiger Strategien erschweren und die Effizienz des Unternehmens beeinträchtigen.

Teilzeit wird häufig mit einem Verlust an Macht und Status gleichgesetzt, weil weniger Arbeitszeit auch mit Einkommenseinbußen verbunden ist. Es gibt viele Führungskräfte, die fürchten, dass sie bei einer Teilzeitregelung schneller ersetzt werden könnten.

Teilen sich Führungskräfte eine Stelle und arbeiten jeweils in Teilzeit, fürchten Leader wie Unternehmen, dass es zu einem Zuständigkeitschaos führen kann. Darüber hinaus glauben viele Beschäftigte in Führungspositionen, dass sie bei einem Teilzeitmodell gegeneinander ausgespielt werden könnten.

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Dr Mirko Udovich
Autor Dr. Mirko Udovich
Geschäftsführender Gesellschafter

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