Zurück in den Job

Beruflich zurück auf Kurs: So gelingt der Neustart

1 Warum kann ein Wiedereinstieg sinnvoll sein?

In erster Linie aus finanziellen Gründen – auch im Hinblick auf die Rentenvorsorge. Gerade Frauen, die wegen der Kinderbetreuung ihre Arbeit aufgegeben haben, vernachlässigen diesen Aspekt oft. Aber einer Arbeit nachzugehen, hat auch andere wichtige positive Seiten: Über die Arbeit kann man sich und seine Fähigkeiten weiterentwickeln und soziale Kontakte knüpfen.

2 Welche Herausforderungen bringt der Wiedereinstieg nach langer Pause?

Das hängt von der individuellen Lebenssituation ab – vor allem davon, wie lange man vom Arbeitsmarkt weg war. Wer über viele Jahre hinweg nicht mehr gearbeitet hat, sieht sich bei seiner Rückkehr womöglich mit veränderten Organisationsstrukturen und neuen Geschäftsmodellen konfrontiert. Für viele stellt sich auch die Frage: Bin ich dem Job noch gewachsen – kann ich das überhaupt noch? Eine durchaus legitime Frage – auch in Zeiten akuten Personalmangels, wie Mirko Udovich, „WIKU“-Personalexperte und Chef der Personalagentur Staff & Line in Kaltern, betont: „Unternehmen suchen zwar händeringend nach qualifiziertem Personal, was den Einstieg für Rückkehrer grundsätzlich erleichtert. Dennoch sollte man sich nicht ausschließlich auf die hohe Nachfrage verlassen. Arbeitgeber suchen keine beliebigen Bewerber, sondern kompetente, engagierte Mitarbeitende.“ Das heißt: „Arbeitgeber erwarten weiterhin aktuelle Fachkenntnisse, Motivation und die Bereitschaft, sich neuen Herausforderungen zu stellen.“

3 Wie kann man sich auf den Wiedereinstieg vorbereiten?

Am besten, man legt sich einen Plan zurecht. „Denn eine gezielte Vorbereitung ist essenziell“, sagt Udovich. Darin hält man zunächst fest, was die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse sind, und gleicht diese mit aktuellen Anforderungsprofilen im erlernten Beruf ab. „Eine ehrliche Selbstanalyse ist unerlässlich“, sagt der Experte:Welche Kompetenzen habe ich? Wo gibt es Lücken? Muss ich meine Kenntnisse auffrischen? Und auch: Was will ich beruflich erreichen?

Hilfreich ist es, aktuelle Stellenausschreibungen zu studieren und zu prüfen, welche Anforderungen in dem angestrebten Bereich gestellt werden – sowie den Austausch mit (ehemaligen) Fachkollegen zu suchen.

Beherrscht man bestimmte gefragte Fähigkeiten nicht, sollte man dies nicht als Schwäche deuten, sondern Bereitschaft zeigen, Neues zu lernen und Weiterbildungskurse besuchen. So vorbereitet, wird die Hürde für einen Wiedereinstieg deutlich kleiner, betont Udovich.

Stichwort Fachkollegen: Wer während seiner Auszeit sein berufliches Netzwerk gepflegt oder noch Kontakt zu ehemaligen Kollegen beziehungsweise zur eigenen Branche hat, tut sich beim Wiedereinstieg leichter.

Zur guten Vorbereitung gehört auch, die Bewerbungsunterlagen zu aktualisieren: „Lebenslauf und Anschreiben sollten auf dem neuesten Stand sein und auch während der Auszeit erworbene Kompetenzen berücksichtigen“, so Udovich.

Wer während der beruflichen Pause Mini-Projekte betreut oder sich ehrenamtlich engagiert hat, sollte das unbedingt erwähnen. Solche Tätigkeiten können laut dem Personalexperten dem Arbeitgeber wertvolle Hinweise auf Soft Skills und Projektkompetenz geben.

Was ebenso Teil des Plans sein sollte: die Frage nach Betreuungsmöglichkeiten für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Wer gerade deswegen aus
dem Beruf ausgestiegen ist, muss auch künftig familiäre Pflichten und Arbeitszeiten in Einklang bringen – und vor allem sicherstellen, dass die Familienmitglieder während der eigenen Abwesenheit gut betreut sind.

4 Lohnt sich eine Weiterbildung?

Tatsache ist: Arbeitgeber in Südtirol legen Wert auf aktuelle Fachkenntnisse – insbesondere in Berufen mit schnellen technologischen Veränderungen, wie Mirko Udovich aus Erfahrung weiß. „Viele Unternehmen beklagen, dass Bewerber nicht immer die notwendigen Qualifikationen mitbringen.“ Wissenslücken mit gezielter Weiterbildung zu schließen, ist daher sinnvoll. Zumal Personalverantwortliche es sehr zu schätzen wissen, wenn Bewerber aktiv an der Aktualisierung ihres Wissens und ihrer Fertigkeiten arbeiten. „Denn Arbeitgeber achten auf aktuelle Kompetenzprofile – weniger auf formale Kontinuität. Wer zeigen kann, dass er sich aktiv weiterentwickelt hat oder offen für Lernprozesse ist, kann trotz zeitlicher Lücke überzeugen.“ In Südtirol gibt es ein breites Spektrum an Weiterbildungsmöglichkeiten: Auf dem Weiterbildungsportal des Landes sind zahlreiche Kurse privater und öffentlicher Anbieter – von kurzen Workshops bis zu längeren Lehrgängen – zu finden. Auch Fachverbände, Bildungshäuser und der Weiterbildungsservice der Handelskammer Bozen bieten Seminare und Programme an. „Der Europäische Sozialfonds unterstützt zudem gezielt Weiterbildungen für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger“, informiert Udovich.

5 Was tun, wenn der Arbeitgeber Vorbehalte hat?

„Vorbehalte vonseiten der Arbeitgeber gibt es durchaus“, sagt der „WIKU“-Personalexperte. Dabei sei weniger die Pause selbst das Problem – vielmehr gebe es Bedenken, dass die Fachkenntnisse veraltet seien, praktische Erfahrung fehle oder Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung auftreten könnten. Um diese Zweifel auszuräumen, sind laut dem Experten die richtige Vorbereitung und Kommunikation entscheidend: „In der Praxis überzeugen Kandidaten, die ihre Auszeit aktiv genutzt haben – zum Beispiel durch ehrenamtliche Tätigkeiten, Weiterbildung oder Familienmanagement –, die ihre Motivation und Lernbereitschaft glaubhaft darlegen, offen mit ihrer Pause umgehen, deren Mehrwert betonen und gezielt aufzeigen, wie sie sich auf den Wiedereinstieg vorbereitet haben.“

6 Wiedereinstieg in Teilzeit – wie stehen die Chancen?

Ob man in Teilzeit oder Vollzeit zurückkehrt, hängt von den persönlichen Lebensumständen und den betrieblichen Möglichkeiten ab. Viele, die sich aus familiären Gründen eine Auszeit genommen haben, möchten zunächst in Teilzeit in den Beruf zurückkehren. „Viele Unternehmen zeigen sich dafür offen, wenn der fachliche Beitrag stimmt“, erklärt Udovich. Dennoch sollten auch jene, die „nur“ in Teilzeit einsteigen möchten, einige Punkte beachten: „Teilzeit erfordert vor allem Klarheit – über den Arbeitsumfang, die Erreichbarkeit und die Verantwortungsbereiche.“ Man sollte sich zudem bewusst sein, dass eine Karriere in Teilzeit zwar möglich, aber oft weniger selbstverständlich ist als in Vollzeit. „Und häufig ist ein Vollzeitarbeitsverhältnis mit flexiblen Elementen – wie Gleitzeit oder Homeoffice – eine strategisch bessere Option, um Entwicklungsspielräume zu sichern“, rät Udovich.

von Mirko Udovich

Mirko Udovich
Geschäftsführender Gesellschafter
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