Was hinter dem Konzept New Work (nicht) steckt

Was hinter dem Konzept New Work (nicht) steckt

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat der Begriff „New Work“ erheblich an Bekanntheit gewonnen. Inmitten der Flexibilisierung von Arbeitsstrukturen und einem verstärkten Fokus auf virtuelle Zusammenarbeit gewinnt das Konzept des neuen Arbeitens an Relevanz. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Schlagwort? Die Interpretationen und Definitionen von New Work variieren beträchtlich, und es ist wichtig zu klären, was es nicht ist.

Das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) hat sich eingehend mit diesem Thema befasst und analysiert, welche Faktoren tatsächlich zu New-Work-Konzepten gehören und was fälschlicherweise dazu gezählt wird.

Mehr als Homeoffice

Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass New Work nicht einfach nur bedeutet, von zu Hause aus zu arbeiten oder flexible Arbeitszeiten zu haben. Während diese Elemente sicherlich Teil moderner Arbeitskulturen sein können, sind sie nicht allein ausschlaggebend für das Konzept von New Work.

New Work ist also nicht nur Remote-Arbeit. Während die Pandemie zweifellos die Verlagerung vieler Arbeitsplätze ins Homeoffice beschleunigt hat, geht New Work über die bloße räumliche Trennung hinaus. Es geht vielmehr darum, eine Arbeitskultur zu schaffen, die auf Vertrauen, Flexibilität und Selbstbestimmung basiert.

Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Unternehmen Spotify. Spotify hat sich als Vorreiter in der Umsetzung von New Work erwiesen und sein eigenes Modell entwickelt, das sich auf die Prinzipien der Agilität und der Selbstorganisation stützt. Das „Spotify-Modell“ beinhaltet eine flache Hierarchie, agile Arbeitsmethoden und eine starke Fokussierung auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter.

Ein weiterer wichtiger Aspekt von New Work ist die Förderung von Diversität und Inklusion. Spotify hat sich in diesem Bereich besonders engagiert und eine Vielzahl von Initiativen gestartet, um sicherzustellen, dass jeder Mitarbeiter unabhängig von Geschlecht, Rasse oder sexueller Orientierung die gleichen Chancen und Möglichkeiten hat.

Es ist nicht das Ende der Hierarchien

Ein weiterer Aspekt, der oft falsch interpretiert wird, ist die Vorstellung, dass New Work bedeuten würde, dass traditionelle Hierarchien und Strukturen in Unternehmen vollständig abgeschafft werden. Obwohl eine flachere Hierarchie und mehr Partizipation der Mitarbeiter häufig mit New Work einhergehen, bedeutet dies nicht zwangsläufig das Ende jeglicher Form von Hierarchie.

Vielmehr geht es darum, Hierarchien flexibler und transparenter zu gestalten und Raum für kreative Ideen und innovative Ansätze zu schaffen.

Nicht nur technologiegetrieben

Ebenso ist es ein Trugschluss anzunehmen, dass New Work ausschließlich technologiegetrieben ist. Zwar spielen digitale Tools und Plattformen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung neuer Arbeitsmodelle, jedoch ist der eigentliche Kern von New Work die menschenzentrierte Gestaltung von Arbeit. Es geht darum, die individuellen Bedürfnisse und Potenziale der Mitarbeiter zu erkennen und zu fördern, um eine sinnstiftende und erfüllende Arbeitsumgebung zu schaffen sowie eine agile Organisationsstruktur und eine offene Fehlerkultur, die Zusammenarbeit und Innovation zu fördern.

Nicht nur für Start-ups

New Work ist nicht branchen- oder unternehmensspezifisch. Oft wird angenommen, dass New Work nur für junge Start-ups oder Unternehmen in bestimmten Branchen relevant ist. Doch auch etablierte Unternehmen wie die Deutsche Bahn haben erkannt, dass eine Neuausrichtung der Arbeitskultur unerlässlich ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Durch die Einführung von flexiblen Arbeitsmodellen und die Förderung von Selbstorganisation und Eigenverantwortung gelingt es der Deutschen Bahn, den Anforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt gerecht zu werden.

Flexibel, aber nicht grenzenlos

Darüber hinaus sollte New Work nicht mit einem Mangel an Struktur oder Organisation verwechselt werden. Auch wenn Flexibilität und Selbstorganisation wichtige Elemente sind, erfordert New Work dennoch klare Prozesse und Rahmenbedingungen, um effektiv zu funktionieren.

New Work ist kein Freifahrtschein für unbeschränkte Flexibilität. Während Flexibilität zweifellos ein wichtiger Bestandteil von New Work ist, ist es entscheidend, die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu wahren und Burnout vorzubeugen.

Unternehmen wie Microsoft haben dies erkannt und setzen auf Maßnahmen wie „Focus Time“, um ihren Mitarbeitenden Zeit für ungestörtes Arbeiten zu ermöglichen und gleichzeitig die Work-Life-Balance zu fördern.

Fazit

Insgesamt ist New Work ein vielschichtiges Konzept, das weit über die bloße Einführung von Homeoffice oder die Implementierung neuer Technologien hinausgeht. Es geht um eine grundlegende Transformation der Arbeitskultur und -strukturen, die darauf abzielt, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeiter gerecht wird und Innovation sowie Kreativität und Vertrauen fördert. Indem wir verstehen, was New Work nicht ist, können wir besser erkennen, welche Schritte erforderlich sind, um eine zukunftsweisende Arbeitswelt zu gestalten.

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Dr Mirko Udovich
Autor Dr. Mirko Udovich
Geschäftsführender Gesellschafter

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