Manager des Jahres 2025 gewählt
Regionalität und Nachhaltigkeit sind für Ulrich Wallnöfer und Günther Hölzl keine Trends, sondern gelebte Überzeugung – lange bevor diese Begriffe zum wirtschaftlichen Zeitgeist wurden. Mit Purnamh haben sie als eine der ersten im Land ein Unternehmen geschaffen, das diese Werte in allen Geschäftsbereichen konsequent umsetzt und damit wirtschaftlich erfolgreich ist. Dafür wurden sie heuer als „Dolomiten-Manager des Jahres“ ausgezeichnet.
„Dolomiten“: „Alles made in Südtirol“, lautet das Versprechen bei Pur Südtirol. Was heißt das genau?
Ulrich Wallnöfer: Das Produkt muss in Südtirol die letzten Wertschöpfungsschritte erleben. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner unseres Sortiments. Es ist aber von Anbeginn an unser Ziel und unsere Vision, so viel wertgebenden Inhaltsstoff wie möglich aus der Region im Produkt zu haben. Das heißt, bei einer Marmelade ist idealerweise auch der Rohstoff aus Südtirol. Dass das bei einem Kaffee und einer Schokolade nicht sein kann, ist verständlich, bei anderen Produkten sehr wohl.
„D“: Wie unterscheiden sich Ihre Genussmärkte – neben dem Sortiment – sonst von einem klassischen Supermarkt oder Feinkostladen?
Günther Hölzl: Als Pur Südtirol ist für uns wichtig, als ein Bau- ernmarkt verstanden zu werden, der sechs Tage offen ist und in welchem bequem regionale Pro- dukte für jede Brieftasche gekauft werden können. Hinzu kommt eine integrierte Gastronomie, um die Produkte nicht nur kaufbar, sondern auch vor Ort erlebbar und genießbar zu machen.
Ulrich Wallnöfer: Was uns auch unterscheidet, ist die Einrichtung. Wir setzen auch dort auf 100 Prozent Regionalität, von Regalen über Möbel bis hin zu Stoffen.
D“: Sie waren 2009 eine der ersten, die auf einen konsequenten regionalen Ansatz gesetzt haben. Warum eigentlich?
Wallnöfer: Wir glauben daran, dass Regionalität und Bio eigentlich nicht als etwas Partikulares, sondern als die Normalität gese- hen werden sollten. Für jeden Menschen ist die eigene Gesundheit mitunter das Wichtigste und diese beginnt bei der Ernährung. Diese Bewusstseinsbildung liegt uns sehr stark am Herzen.
Hölzl: Eine bewusste Ernährung fördert nicht nur die Gesundheit, sondern auch eine regenerative Wirtschaft: Jeder Kunde hat eine enorm große Macht mit dem Kauf, den er tätigt. Unterstützt man internationale Großkonzerne und Monokultur oder unterstütz man regionale Kreisläufe, Manufakturen und Bauern. Und gerade wenn man unser wunderschönes Land erhalten will, sollte es uns wichtig sein, das Regionale mit täglichen Käufen zu unterstützen.
„D“: Wie hat sich in den vergangenen Jahren das Bewusstsein bei den Südtirolern verändert? Ist man achtsamer beim Einkauf geworden?
Wallnöfer: Es gibt immer mehr bewusste Kundinnen und Kun- den. Auch die nächste Generation, also auch die Jugend, will mehr über Lebensmittel wissen und kauft bewusster ein. Das hat sich sicherlich im Vergleich zu den Anfangsjahren geändert, als es oft eher die Besserverdienenden waren, die bei uns einkauften. Heute sind es sehr viele junge Menschen und auch Touris- ten, die 30 Prozent der Kunden ausmachen. Diese sind in den letzten Jahren internationaler geworden und auch diese bringen neue Impulse.
D“: Purnamh umfasst heute vier Geschäftsfelder und arbeitet mit rund 500 Zulieferpartnern, vor allem kleinen bäuerlichen Betrieben. Welche schaffen es denn zu euch ins Regal?
Wallnöfer: Wir haben eine Kriterien-Pyramide. Der gemeinsame Nenner ist „Made in Südtirol“. Dann spielt die Größe eine Rolle. Für uns hat der Bauer Vorrang gegenüber einer Manufaktur oder einem größeren Produzenten. Zudem hat ein Produkt Vorrang, in dem mehr wertgebende Inhaltsstoffe aus Südtirol drinnen sind oder das biozertifiziert ist. Gleichzeitig spielt der Preis eine Rolle, sodass das Produkt ins Preisgefüge passt.
D“: Gerade beim Lebensmittelkauf sind Kunden preissensibel. Wie stark spürt das Purnamh?
Hölzl: Der Preis ist sicherlich ein Thema. Wir stehen in einer offenen Wirtschaft. Wichtig ist aber, dass man Äpfel mit Äpfeln vergleicht. Und da können wir sagen, dass gerade im Biobereich die Preise letztlich im Vergleich zu konventionellen Produkten weniger stark gestiegen sind. Gleichzeitig gibt es auch im Biobereich viele Produkte für die kleine Brieftasche. Wir haben auch eine Kampagne „Bio für alle“, wo wir das stark beleuchten.
„D“: Ihr Unternehmen ist eines der ersten und wenigen im Land, das sich als Società Benefit deklariert haben. Was heißt das genau?
Hölzl: Wir wirtschaften in allen Geschäftsbereichen nach den Kriterien der Gemeinwohlökonomie. In unseren Statuten ha- ben wir festgeschrieben, dass jeder Schritt, den wir heute und in Zukunft setzen, auch sozial und ökologisch nachhaltig sein muss – im Umgang mit der Natur ebenso wie mit unseren Mitarbeitern, Kunden, Partnern und Lieferanten.
Wallnöfer: Gerade bei den Mitarbeitern stehen die Gemeinschaft, Augenhöhe und Vertrauen im Mittelpunkt. Der Manager der Menschlichkeit ist bei uns eines der obersten Kriterien
„D“: Was plant das Unternehmen in Zukunft?
Wallnöfer: Es werden 2026 zwei neue Naturalia-Standorte – einmal in Brixen und einmal in Bruneck – hinzukommen, mit einer integrierten Gastronomie, mit Bereichen zum Verweilen, aber auch mit Dienstleistungsflächen, wo Verkostungen oder Ernährungsberatungen angeboten werden können. Denn Menschen haben immer mehr Allergien und Unverträglichkeiten und da möchten wir als Naturalia der Problemlöser schlechthin werden.
„D“: Glauben Sie, dass Südtirol sich irgendwann selbst ernähren kann?
Wallnöfer: Wir Südtiroler sind für Ernährungssouveränität prädestiniert. Wir haben Landwirtschaft von 200 bis, wenn wir die Almen mitrechnen, 2500 Metern Meereshöhe. Das heißt: 2300 Meter Landwirtschaft, aufgeteilt in verschiedenste Klimazonen. Wenn wir über Zukunftsvisionen sprechen, wäre es im Sinne der Biodiversität sinnvoll, unsere großen Stärkefelder etwas zu reduzieren und auf verschiedene Realitäten zu setzen. Damit wird das System auch resilienter. Es braucht nicht unbedingt Äpfel oder Wein, um auch als Bauer erfolgreich zu sein. Dazu braucht es aber Betriebe, die innovative, spannende Produkte entwickeln.
Hölzl: Produzieren ist wichtig, aber den Wert des Produktes zu kommunizieren ist nicht weniger wichtig geworden und enorm aufwendig. Aber das ist Teil unserer Mission. Wir möchten ganz viele konvertieren, dass sie achtsamer bei Konsum und Ernährung werden. Denn für uns haben in allen vier Business Units die Regionalität und die Nachhaltigkeit zentrale Wichtigkeit.
von Mirko Udovich
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