Diskriminierung im Bewerbungsgespräch

Diskriminierung im Bewerbungsgespräch

Diskriminierung am Arbeitsplatz ist ein Thema, das trotz vieler Fortschritte in der Gesellschaft, gesetzlicher Bestimmungen und gestiegenem Bewusstsein noch präsent ist. In Bewerbungsgesprächen erkennen wir verschiedene Formen von offensichtlicher Voreingenommenheit bis hin zu subtilen Vorurteilen, die Bewerber aufgrund ihrer persönlichen Merkmale wie Geschlecht, Rasse, Alter, sexueller Orientierung oder Familienstand beeinträchtigen können. Diese Form der Diskriminierung hat tiefgreifende Auswirkungen auf die berufliche Entwicklung von Einzelpersonen und trägt zur Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheiten bei.

Vorurteile bis heute teils kulturell tief verankert

In vielen Fällen sind die Ursachen für Diskriminierung im Bewerbungsgespräch vielschichtig und komplex. Eine davon ist das Vorhandensein unbewusster Vorurteile bei den Rekrutierenden, die auf tief verwurzelten, kulturellen Normen und Stereotypen beruhen können. Ein Beispiel hierfür ist, wenn ein Recruiter automatisch annimmt, dass eine Bewerberin aufgrund ihres Geschlechts weniger technisch versiert ist als ein männlicher Bewerber. Solche Vorurteile können dazu führen, dass Bewerber aufgrund ihres Geschlechts, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihres Alters voreingenommen bewertet werden, unabhängig von ihren tatsächlichen Fähigkeiten und Qualifikationen.

Darüber hinaus können institutionelle Praktiken und Machtungleichgewichte zwischen Bewerbern und Arbeitgebern dazu beitragen, dass bestimmte Gruppen systematisch benachteiligt werden. Ein Beispiel hierfür sind traditionelle Einstellungspraktiken, die bevorzugte Netzwerke oder persönliche Beziehungen priorisieren und damit Bewerber aus benachteiligten Gruppen ausschließen können. Ein weiteres Beispiel ist, wenn ältere Bewerber aufgrund ihres Alters als weniger dynamisch oder anpassungsfähig angesehen werden, was zu ihrer Benachteiligung führen kann.

Nachteil: Mutter sein

Ein oft übersehenes Beispiel für Diskriminierung im Bewerbungsgespräch betrifft Mütter mit Kindern. Diese Bewerberinnen könnten aufgrund von Vorurteilen bezüglich ihrer Verfügbarkeit und Verpflichtungen als weniger geeignet angesehen werden, selbst wenn sie über die erforderlichen Fähigkeiten und Qualifikationen verfügen. Diese Art der Diskriminierung kann sich in Form von subtilen Fragen nach Familienplanung oder Kinderbetreuung während des Bewerbungsgesprächs äußern, die darauf abzielen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf infrage zu stellen und die Bewerberinnen in eine defensive Position zu bringen. Modernere Ansätze wie flexible Arbeitszeiten und Kinderbetreuungsmöglichkeiten im Unternehmen können dabei helfen, die Work-Life-Balance zu verbessern und Müttern zu ermöglichen, ihre beruflichen und familiären Verpflichtungen besser zu managen.

Die Auswirkungen von Diskriminierung im Bewerbungsgespräch sind weitreichend und können sowohl für die betroffenen Bewerber als auch für die Gesellschaft als Ganzes negative Konsequenzen haben. Bewerber, die sich diskriminiert fühlen, können ein geringeres Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen entwickeln, was sich negativ auf ihre berufliche Entwicklung auswirken kann. Darüber hinaus kann Diskriminierung dazu beitragen, bestehende soziale Ungleichheiten zu verstärken und den Zugang zu Chancen und Ressourcen weiter einzuschränken, was letztendlich zu einer Fragmentierung der Gesellschaft führen kann.

Ein Beispiel für die Auswirkungen von Diskriminierung im Bewerbungsgespräch ist die Geschichte einer qualifizierten Bewerberin, die aufgrund ihres muslimischen Namens und ihrer ethnischen Zugehörigkeit wiederholt Absagen von Unternehmen erhalten hat, obwohl sie alle Anforderungen für die Stelle erfüllte. Diese Erfahrungen führten dazu, dass sie an ihrem eigenen Wert zweifelte und sich in ihrer beruflichen Laufbahn unsicher fühlte, was letztendlich zu einem Rückgang ihrer Motivation führte.

Bewerbungsgespräche führen, will gelernt sein

Um Diskriminierung im Bewerbungsgespräch effektiv zu bekämpfen, sind ganzheitliche Ansätze auf individueller und institutioneller Ebene erforderlich. Sensibilisierung und Schulung der Personaler für unbewusste Vorurteile können dazu beitragen, die Vorurteile zu erkennen und zu überwinden, die ihre Entscheidungen im Bewerbungsprozess beeinflussen können.

Die Implementierung klarer Richtlinien und Verfahren im Bewerbungsprozess kann ebenfalls dazu beitragen, Diskriminierung zu reduzieren, indem sie sicherstellt, dass alle Bewerber fair behandelt werden. Darüber hinaus ist die Förderung von Vielfalt und Inklusion in der Arbeitswelt entscheidend, um eine Kultur der Akzeptanz und Wertschätzung zu fördern.

Insgesamt ist Diskriminierung im Bewerbungsgespräch ein ernstes Problem, das eine gründliche Untersuchung und umfassende Maßnahmen erfordert, um wirksame Lösungen zu finden. Durch die Zusammenarbeit von Unternehmern, Führungskräften und Mitarbeitenden können wir gemeinsam daran arbeiten, eine Arbeitswelt zu schaffen, die auf Fairness und Respekt für alle basiert. Es ist entscheidend, dass wir uns aktiv für die Beseitigung von Diskriminierung im Bewerbungsprozess einsetzen, um ein gerechteres und integrativeres Betriebsklima aufzubauen.

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Dr Mirko Udovich
Autor Dr. Mirko Udovich
Geschäftsführender Gesellschafter

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